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Juma Kliebenstein: Der Tag, an dem ich cool wurde

Sep 26, 2013   //   by admin   //   Allgemein, Realistische Jugendliteratur  //  Keine Kommentare

Jetzt muss ich wohl erst mal was über mich erzählen. Ich heiße Martin und bin elf Jahre alt. Ich gehe in die sechste Klasse des Ludwig-Erhard-Gymnasiums. Eigentlich bin ich ein ganz normaler Junge. Ein bisschen dick vielleicht. Mein Gesicht ist nicht dick, aber vom Hals an abwärts geht’s aufwärts mit dem Gewicht. (Beleibt habe ich irgendwo aufgeschnappt. Das Wort gefällt mir.)“

coolwurde

Mit diesen Sätzen beschreibt sich Martin, die Hauptfigur des neuen Romans von Juma Kliebenstein. Martin ist ein Außenseiter, der von seinen Mitschülern aufgrund seines Aussehens gehänselt wird. Martin ist nicht nur “beleibt”, er trägt zudem noch eine Brille und wird von seiner Mutter mit rosafarbenen Hemden ausgestattet. Damit liefert er insbesondere den „FabFive“, den coolen Jungs der Klasse, jede Menge Gründe, ihn zu verspotten. Doch Juma Kliebenstein schreibt keinen problemorientierten Roman, der an die Kinder- und Jugendliteratur der 1970er Jahre anschließt, sondern setzt sich auf die ihr durchaus typisch humorvolle Art mit dem Coolsein auseinander. Letztendlich ist es auch ein Mutmachbuch mit komischen Elementen, wovon auch schon der Beginn der Geschichte überzeugt: Martin ist nachts in der Wasserrutsche des Schwimmbades stecken geblieben. In einer Rückblende wird dann geschildert, warum dies Missgeschick passiert ist. Doch zurück zum Inhalt: Als Karli in seine Klasse kommt, findet er in ihm einen guten Freund. Karli ist schmächtig und hat abstehende Ohren. Beide beschließen, sich an den „FabFive“ zu rächen. Doch die Rache geht gründlich schief und Karli und Martin werden bestraft. Sie müssen mit Martins Vater und Opa in den Campingurlaub nach Frankreich fahren. Dort, so der Plan der Jungen, möchten sie lernen, cool zu werden. Doch auch dort geschehen unerwartete Dinge: Sie treffen auf Lucas, einen der „FabFive“, der zwar erzählt hat, seine Ferien auf Bali zu verbringen, doch plötzlich mit seiner Familie einen Campingurlaub macht. Sie erfahren mehr über seine Familie und plötzlich ist Lucas nicht mehr so cool wie in der Klasse. Karli und Martin erkennen, dass ihre eigene Familie viel besser ist. Beide lernen in den Ferienwochen, dass es unterschiedliche Definitionen des „Coolseins“ gibt.

Bereits die beiden Jungen sind sicherlich Figuren, die insbesondere männliche Leser begeistern dürften. Es werden Sorgen und Ängste von Jungen aufgenommen, ohne diese jedoch zu sehr zu überfrachten. Der Roman lebt von komischen Elementen und insbesondere die kurzen Kapitel ermöglichen es, dass Kinder mit unterschiedlichen Leseerfahrungen der Handlung folgen können.

Die erzählenden Passagen werden durch zahlreiche Dialoge unterbrochen, die zur Lebendigkeit des Buches führen. Die Sprache, die sich zum Teil an der Jugendsprache orientiert, unterstreicht noch die Lebendigkeit. Hinzu kommt ein humorvoller Umgang mit bestimmten Problemen, die einerseits mit der sprachlichen Darstellung, andererseits mit bestimmten Situationen zusammenhängen. Die gelungenen Illustrationen von Alexander Bux lockern den Text auf und tragen auch etwas zum Textverständnis bei. Erzählt wird aus Sicht Martins, der als Ich-Erzähler auftritt und damit Teil der erzählten Welt ist. Martin ist zudem die Hauptfigur, die Leser und Leserinnen erfahren seine Gedanken.

Im Mittelpunkt des Kinderromans stehen die Außenseiterposition von Martin und Karli im Klassenverband. Beleuchtet wird zudem auch die familiäre Situation der beiden Jungen, denn es kommt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Martins Eltern.

Die Freundschaft zwischen Karli und Martin ermöglicht es ihnen schließlich, zu handeln und sich tatsächlich gegen das Mobbing zu wehren. Auch die Suche nach Coolness und die Frage, was Coolsein bedeutet, wird aufgegriffen und von den unterschiedlichen Protagonisten diskutiert.

Der Kinderroman Der Tag, an dem ich cool wurde eignet sich aus mehreren Gründen für den Einsatz im Deutschunterricht. Aufgrund der Abenteuer der beiden männlichen Protagonisten spricht er auch weniger lesemotivierte Schüler an.

Die witzige Sprache und die dargestellten Probleme nähern sich der Alltagswelt der Schüler und Schülerinnen an. Hinzu kommt, dass sich der Roman sensibel der Thematik Mobbing und Außenseitertum nähert und so genügend Potential zur Diskussion bietet. Die „Rache“ von Karli und Martin an den „FabFive“ wird beschrieben, ohne jedoch problematisiert zu werden. Eine solche Darstellung lädt zur Diskussion mit den Schülern und Schülerinnen ein und ermöglicht ein (literarisches) Gespräch.

Der Roman ist aufgrund der Sprache, des Spannungsbogens und der kindlichen Alltagswelt auch für weniger lesemotivierte Schüler und Schülerinnen geeignet. Das zeigen auch Erfahrungen mit dem Roman, der im Rahmen der Siegener „Eine Stadt liest ein Buch“ das Stadtbuch im Jahre 2010 war und von Schüler/innen unterschiedlicher Schulen gelesen und auch positiv rezipiert wurde.

Bibliografische Angaben: Juma Kliebenstein: Der Tag, an dem ich cool wurde. Mit Ill. v. Alexander Bux. Oetinger 2010. 255 Seiten. 12,95. Ab 10 J. (Mittlerweile liegt eine Taschenbuchausgabe vor und auch Lehrermaterialien sind in Vorbereitung.)

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